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Zitate und deren Auslegung

Leader
18. June 2015
14:42:43 CEST

Hier geht es um Zitate von Autoritäten und deren Auslegung, beispielsweise von Max Planck oder Werner Heisenberg.

Mit Freier Energie haben die nichts zu tun, werden aber oft dazu benutzt, zu untermauern, dass solche Autoritäten auf dem Gebiet der Physik schon eine Weltanschauung haben, die Freie Energie Nutzung zulässt, die das Bewusstsein des Menschen in die Physik integriert, die physikalische Gesetze als völlig umstoßbar sieht.

Oft sind Zitate aber nur aus dem Kontext heraus zu verstehen, oder aus dem, was derjenige sonst zum Thema gesagt hat, oder einfach nur sehr schlecht aus dem Deutschen ins Englische übersetzt.

Leader
18. June 2015
14:45:20 CEST

Pascual Jordan

Eine Autorität auf einem Gebiet, hier die Physik, zu zitieren, ist interessant. Taugt aber meist nicht als Argument.

http://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-12-autoritaetsargument

Pascual Jordan hat das einmal bezüglich physikalischer Erkenntnisse sehr gut ausgedrückt bezüglich Einstein und Planck:

"Einstein hat die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens einem heroischen Ringen gewidmet, in welchem er Unterlagen zu gewinnen hoffte für eine Zurückführung auch der Quantengesetze auf eine streng deterministische Physik. Planck hat zwar keinen ähnlichen Versuch unternommen, aber sich doch gesträubt, die statistische Auflockerung der Kausalität für endgültig zu halten. In unserem letzten Gespräch, nicht lange vor seinem Tode, schien er mir zwar stärker als früher geneigt, diese Folgerungen immerhin als eine in Betracht zu ziehende Möglichkeit anzusehen. Aber vielleicht entsprang dies mehr der persönlichen Güte eines alten Mannes gegenüber einem Jüngeren, dessen wissenschaftliche Bestrebungen er mit rührender Freundlichkeit beurteilte. Man kann aber den Zeitgenossen, die unter Berufung auf Planck und Einstein der "Akausalität" mißtrauen, nichts anderes sagen als dies: In der Physik gelten keine Autoritäten. Es gilt nur die Wahrheit. Auch Bewunderung und Verehrung, die wir den Großen der Forschung gegenüber empfinden, dürfen uns nicht dazu verführen, autoritätsgläubig zu werden. Von der Begrenztheit alles Menschlichen sind auch sie nicht ausgenommen; und die in diesem Buch betonte Bedeutung der Tradition als Lebenselement der Wissenschaft widerspricht durchaus nicht der Feststellung, daß es keinerlei Respektlosigkeit gegenüber Max Planck und Albert Einstein - als Grundsteinlegern unseres Zeitalters - bedeutet, wenn wir auch ihnen nur das glauben, was sie uns beweisen konnten..."

Pascual Jordan 1972/1978, pp. 196/197, "Der Naturwissenschaftler vor der religiösen Frage. Abbruch einer Mauer." Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg, 6. Auflage.

Pascual Jordan war ein herausragender Physiker, der sowohl die Quantenmechanik mit begründet hat, mit Planck geredet hat, zusammen mit Heisenberg gearbeitet hat. Er war derjenige, der den Welle-Teilchen-Dualismus Widerspruch (Doppelspalt-Experiment) mit Quantelung des Feldes aufgelöst hat und damit die Grundlage moderner Quantenfeldtheorien legte. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse sind auf einer Stufe mit Heisenberg und Pauli einzuordnen, der Nobelpreis wurde ihm vermutlich nur versagt wegen seiner Äußerungen im dritten Reich.

Leader
18. June 2015
14:49:18 CEST

Max Planck - Über die Gültigkeit von physikalischen Gesetzen.

Hier bei Momanda und anderswo wird das folgende Zitat von Max Planck ab und an gebracht als Argument dafür, dass physikalische Gesetze durch neue Physik vollständig ersetzt werden können:

"We have no right to assume that any physical laws exist, or if they have existed up to now, that they will continue to exist in a similar manner in the future."

So könnte man diesen Satz von Max Planck auslegen, wenn man nur den kennt. Erschienen ab Seite 58 in:

THE UNIVERSE IN THE LIGHT OF MODERN PHYSICS by DR. MAX PLANCK
Professor of Theoretical Physics at the University of Berlin
Translated by W. H. Johnston, B.A.
LONDON, GEORGE ALLAN & UNWIN LTD MUSEUM STREET, 1931

Das vollständige Kapitel dazu fängt so an:

"§5
What now do we mean by physical law? A physical law is any proposition enunciating a fixed and absolutely valid connection between measurable physical quantities - a connection which permits us to calculate one of these quantities if the others have been discovered by measurement. The highest and most keenly desired aim of any physicist is to obtain the most perfect possible knowledge of the law of Physics, whether he looks at them form a utilitarian point of view and values them because they enable him to save himself the trouble of costly measurements, or takes a deeper view and looks to them for satisfaction of a profound yearning after knowledge and for a firm basis of natural science.

How do we discover the individual laws of Physics, and what is their nature? It should be remarked, to begin with, that we have no right to assume that any physical laws exist, or if they have existed up to now, that they will continue to exist in a similiar manner in future. It is perfectly conceivable that one fine day Nature should cause an unexpected event to occur which would baffle us all; and if this were to happen we would powerless to make any objection, even if the result would be that, in spite of our endeavours, we should fail to introduce order into the resulting confusion. In such an event, the only course open to science would be to declare itself bancrupt. For this reason, science is compelled to begin by the general assumption that a general rule of law dominates throughout Nature, or, in Kantian terminology, to treat the concept of causality as being one of the categories which are given a priori and without which no kind of knowledge can be attained.

From this it follows that the nature of the laws of Physics, and the content of these laws, cannot be obtained by pure thought; the only possible method is to turn the investigation of Nature, to collect the greatest possible mass of varied experiences, to compare these and to generalize them in the simplest and most comprehensive proposition. In other words, we must have recourse to the method of induction."

https://archive.org/stream/universeinthelig032967mbp#page/n11/mode/2up

Das klingt jetzt schon anders, wenn man sich das in Ruhe anguckt. Max Planck sagt, dass die physikalischen Gesetze nur dann so ersetzbar seien, wie das aus dem ganz oben zitierten Satz scheint, wenn man nicht implizit eine  Grundannahme vorwegschickt, wie es in der Naturwissenschaft gemacht wird. Was heißt, im Kontext des dem Zitat folgenden ist das Zitat ganz anders zu verstehen.

Im Buch steht auf Seite 6 oben:

"The present work is a translation of two books, "Das Weltbild der neuen Physik" and "Physikalische Gesetzlichkeit im Lichte neuerer Forschung", published by Joh. A. Barth in Leipzig. The two works have been run into one, the second here commencing on p. 58.
FIRST PUBLISHED IN ENGLISH 1931"

Was heißt, es ist nur eine Übersetzung, es sind nicht Max Plancks eigene Worte. Die findet man hier:

Max Planck, "Physikalische Gesetzlichkeit im Lichte neuerer Forschung",
Vortrag gehalten am 14. Februar 1926 in den Akademischen Kursen von Düsseldorf
Leipzig, Joh. Ambr. Barth, 1926

"Zuvörderst dürfen wir es durchaus nicht als von vorneherein selbstverständlich betrachten, daß eine physikalische Gesetzlichkeit überhaupt existiert, oder daß sie, wenn sie auch bisher existiert hat, auch in Zukunft stets in der gleichen Weise existieren wird.

Es wäre durchaus denkbar, und wir könnten nicht das mindeste dagegen machen, wenn die Natur uns eines schönen Tages durch Eintritt eines völlig unerwarteten Ereignisses ein Schnippchen schlüge, und wenn es uns trotz aller Anstrengung niemals gelingen sollte, in den entstandenen Wirrwarr (sic) irgendeine gesetzliche Ordnung hineinzubringen. Dann bliebe der Wissenschaft nichts anderes übrig, als ihren Bankrott zu erklären. Aus diesem Grunde ist sie genötigt, die Existenz einer allgemeinen Naturgesetzlichkeit als Vorbedingung, als Postulat an die Spitze ihrer ganzen Entwicklung zu stellen oder, um mit Immanuel Kant zu reden, den Kausalbegriff mit zu den von vornherein gegebenen Kategorien zu rechnen, ohne die Erkenntnis überhaupt nicht gewonnen werden kann.

Das Wesen der physikalischen Gesetzlichkeit und der Inhalt der physikalischen Gesetze läßt sich nicht durch reines Nachdenken erschließen. Es gibt hierfür keinen anderen Weg als den, sich vor allem an die Natur zu wenden, in ihr möglichst zahlreiche und vielseitige Erfahrungen zu sammeln, dieselben miteinander in Vergleich zu bringen und zu möglichst einfachen und weittragenden Sätzen zu verallgemeinern. Da der Inhalt einer Erfahrung um so reicher ist, je genauer die Messungen sind, die ihr zugrunde liegen, so versteht sich von selbst, daß der Fortschritt aller physikalischen Erkenntnis auf das Engste verknüpft ist mit der Verfeinerung der physikalischen Instrumente und mit der Technik des Messens."

Jetzt kann man erkennen, dass der eigentliche Sinn durch die englische Übersetzung verfälscht wird. Aus

"Zuvörderst dürfen wir es durchaus nicht als von vorneherein selbstverständlich betrachten"

wurde

"We have no right to assume"

"Wir haben kein Recht, anzunehmen"

übersetzt. Es ist wohl besser, sofern deutsche Physiker etwas in ihrer Muttersprache formuliert haben, das zu bringen anstatt eine schlechte englische Übersetzung. Ebenso den Kontext. Dann klappts auch mit dem Auslegen.

"Max Planck: Zuvörderst dürfen wir es durchaus nicht als von vorneherein selbstverständlich betrachten, daß eine physikalische Gesetzlichkeit überhaupt existiert, oder daß sie, wenn sie auch bisher existiert hat, auch in Zukunft stets in der gleichen Weise existieren wird."

Leader
18. June 2015
14:52:01 CEST

Max Planck - Über das schöpferische Bewusstsein.

Ein weiteres Zitat von Max Planck aus einem Interview, das immer wieder angeführt wird, um nachzuweisen, dass schon der große Max Planck daran geglaubt habe, dass das menschliche Bewusstsein Materie erschaffen und beeinflussen kann:

"I regard consciousness as fundamental. I regard matter as derivative from consciousness. We cannot get behind consciousness."

Aus einem Interview mit Max Planck, The Observer, 1931.

Wenn Planck es im physikalischen Sinne gemeint hätte bezüglich des menschlichen Bewusstseins, was er nicht hat, müsste das durch Experimente nachgewiesen sein. Das ist es nicht. Oder andersherum, wenn Bewusstsein Materie beinflussen könnte, dürften die hochgenauen Experimente der Quantenelektrodynamik / Quantenfeldtheorien in höchster Genauigkeit nicht überall dasselbe ergeben, sondern es wäre mit Abweichungen zu rechnen, da nirgendwo dasselbe Bewusstsein der Experimentatoren vorausgesetzt werden kann. Oder eine Änderung des Weltbewusstseins müsste diese Experimente beeinflussen. Beides wurde nirgendwo festgestellt.

Im Interview ging es aber gar nicht um das menschliche Bewusstsein als etwas, das Materie beeinflussen kann, sondern es war Plancks Antwort auf die folgende Frage:

"Do you think that consciousness can be explained in terms of matter and its laws?"

Damals eine oft gestellte Frage. Ob man Bewusstsein allein aus physikalischen Gesetzmäßigkeiten und Materie-Eigenschaften erklären könne. Planck war nicht dieser Meinung, weil der Gott, an den er glaubte, sonst überflüssig wäre. Nie hat er gesagt oder gemeint, dass menschliches Bewusstsein Materie schafft oder beeinflusst.

Die vollständige Antwort Plancks:

"No. I regard consciousness as fundamental. I regard matter as derivative from consciousness. We cannot get behind consciousness. Everything that we talk about, everything that we regard as existing, postulates consciousness."

http://organizedreligion.me/2013/11/07/i-regard-matter-as-derivative-from-consciousness-max-planck-the-observer-january-25th-1931/

Vorweg ging die Frage, ob Leben und Bewusstsein sich allein aus den Naturgesetzen ergäben zusammen mit Zufall, was Planck verneint und das als ein Teil eines von Menschen nicht verstehbaren höheren Lebens bezeichnet.

Woanders hat Planck das Thema konkretisiert, insbesondere dahingehend, was er mit höherem Leben meint und wo er das menschliche Bewusstsein einordnet:

"Meine Herren, als Physiker, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie widmete, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden.

Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich.

Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt - es ist der Menschheit nicht gelungen, das heißersehnte Perpetuum mobile zu erfinden - so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewußten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche - denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht - , sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre! Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott! Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie."

http://www.weloennig.de/MaxPlanck.html

Planck hat sich selbst als tiefreligiös bezeichnet und sieht hier Gott bzw. das göttliche Bewusstsein als Urgrund von allem. Nicht den Menschen oder das menschliche Bewusstsein. Schon gar nicht, dass das menschliche Bewusstsein Materie erschaffen oder beeinflussen kann.

Man kann der eigenen Meinung sein, dass das geht. Aber man kann nicht Max Planck als Zeuge dafür aufrufen.

Leader
18. June 2015
14:54:12 CEST

Max Planck - Über neue wissenschaftliche Wahrheiten.

"A new scientific truth does not triumph by convincing its opponents and making them see the light, but rather because its opponents eventually die, and a new generation grows up that is familiar with it."

"Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist."

Wissenschaftliche Selbstbiographie, Johann Ambrosius Barth Verlag, Leipzig, 1948, S.22

1880 wurde Planck habilitiert, das heißt, wenn er als Einleitung zu obigen Zitat schreibt:

"Es gehört mit zu den schmerzlichsten Erfahrungen der ersten Jahrzehnte meines wissenschaftlichen Lebens, dass es mir nur selten, ja ich möchte sagen niemals, gelungen ist, eine neue Behauptung, für deren Richtigkeit ich einen vollkommen zwingenden, aber nur theoretischen Beweis erbringen konnte, zur allgemeinen Anerkennung zu bringen."

meint er die Physik vor 1900, und konkret dabei die Erkenntnisse der Wärmelehre.

Er selbst, Einstein, Heisenberg sind Beispiele, dass das nach 1900 weitgehend anders ist. Max Planck ist 1947 verstorben. Das heißt, die letzten 70 Jahre konnte er nicht beurteilen. Alan Guth (inflationäres Universum), Stephen Hawking (Hawking Strahlung), Perlmutter/Schmidt/Riess (Dunkle Materie) sind Beispiele der Neuzeit.

Schade, dass dieses Zitat oft genau da angebracht wird, wo gar keine neue Erkenntnis vorhanden ist bzw. wissenschaftliche Methodik gar nicht benutzt wird.

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